Sein Werk nach 1989 ist gekennzeichnet vom Experiment. Thematisch definierte Ausstellungen und Symposien, vor allem solche für Bildhauer, haben Udo Richter Jahr für Jahr bewogen, sich an Holz und Beton, Eisenguss, Papier, Stahl und Stein zu wagen, an Metallcollagen und solche mit Schrottteilen. Intentionen und Aussagen variieren.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit heute steht, wie in seiner Jugend, jedoch Metall, das er gern im kleinen Format verarbeitet, zu Kästen, Reliefs, Objekten einfacher Form und dicht strukturierter Oberflächen. Die Beschäftigung mit der Chaostheorie, mit Philosophie und Zeitgeschichte bilden Ansatz und Schlüssel zum Werk.

So ist es durchaus typisch für Richter, dass er gern Aluminium verwendet, das er als komplexen Bedeutungsträger schätzt. Weltweit im 20. Jahrhundert als Material ein Synonym für Moderne, in der DDR, die Richters Kindheit und Jugend bestimmte und bedrückte, aber gleichbedeutend mit der hässlichen Seite des Alltags, mit billigem Ersatz für Stahl, Kupfer und Bronze, von der Butterbrotdose bis zum Kleingeld. Für Richter dennoch ein Stoff der Zukunft.

Gern hülfe er dabei, das Aluminium von seinem schlechten Image zu befreien und ihm einen Platz in der zeitgenössischen Kunst zu erobern. So gestaltet er mit Bedacht seine Dosen zu Kleinskulpturen von unbestreitbarem Reiz, die als kleine "trojanische Pferde" das Materialbewusstsein von Kunstliebhabern und Sammlern verändern könnten.

Prof. Dr. Barbara Mundt
Direktorin des Kunstgewerbemuseums
SMB Berlin i.R.

Aus:
Vom Handwerk zum Kunsthandwerk : 14. Landesweite Kunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern e.V. im BBK 2004 / Hrsg.: Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern e.V. im BBK. – Schwerin, 2004. – 157 S. : Ill. ( S. 144-147)